Mittlerweile kommt eine Einführung in JavaScript nicht mehr ohne eine Einführung in jQuery aus. Jede zweite Website, die JavaScript einsetzt, tut dies in Form von jQuery, und von den 10.000 meist besuchtesten Sites im Web nutzen sogar zwei Drittel jQuery. Nun ist jQuery keine Alternative oder eine Konkurrenz zu JavaScript. Es ist selbst einhundertprozentig JavaScript. jQuery ist lediglich ein Framework, das JavaScript für Entwickler deutlich effizienter macht, und das dank zahlreicher fertiger Plugins arbeitsintensive und fehleranfällige Eigenentwicklungen häufig überflüssig macht.

Mit jQuery beginnt für viele, die sich an JavaScript versuchen, erst der Einstieg in die User-Interface-Gestaltung moderner Webanwendungen und Website-Effekte. Da jQuery außerdem von zahlreichen bekannten Content-Management- und Blog-Systemen eingesetzt wird, werden viele Entwickler auch über diese Anwendungen mit dem Framework konfrontiert.

JavaScript-Frameworks

Frameworks gibt es für zahlreiche Programmiersprachen. Sie sorgen für einheitlichere Vorgehensweisen bei der Programmierung und erleichtern Standardaufgaben. In JavaScript entstanden schon früh solche Frameworks. Der Grund dafür ist vor allem, dass die DOM-Implementierungen der einzelnen Browser anfänglich noch stark voneinander abwichen und sich das DOM (Document Object Model für XML und HTML), das vom W3C spezifiziert wird, erst nach und nach durchsetzte. Die JavaScript-Frameworks übernahmen vor allem das für Programmierer lästige und mühsame Unterscheiden unterschiedlicher Browser-Implementierungen.

Heute bügeln Frameworks wie jQuery zwar immer noch diverse Implementierungs-Unterschiede bei Browsern aus. Bei jQuery kommen jedoch längst auch andere andere Gründe hinzu, die für die Verwendung sprechen:

  • Objektorientierte Programmierung. jQuery setzt konsequent auf dem objektorientierten Ansatz von JavaScript auf, obwohl die Sprache selbst nicht zwingend objektorientiert verwendet werden muss.
  • Erziehung zur Trennung von HTML und JavaScript-Code. jQuery erleichtert dank seiner Unterstützung beim Event-Handling den Verzicht auf Event-Handler mit direkt im Attributwert notierten, komplexen JavaScript-Anweisungen. Die Forderung nach der Trennung von HTML- und JavaScript-Code wird auch als „unobstrusive JavaScript“ bezeichnet.
  • Vereinfachung von DOM-Manipulationen. Wer mit CSS-Selektoren umgehen kann, darf sich freuen, eines der mächtigsten Features von jQuery, nämlich das Auswählen von Inhalten des DOM-Baums, bereits zu beherrschen. Denn jQuery ermöglicht DOM-Zugriff in Form von CSS-Selektoren-Syntax.
  • Robuste Implementierungen für javascript-gesteuerte HTTP-Requests (Ajax) und HTML5-Scripting-Schnittstellen.

Frameworks haben zweifellos auch Nachteile. Einer davon ist die Notwendigkeit, den Code des Frameworks mit laden zu müssen. Manche Websites binden die jQuery-Bibliothek nur wegen einer einzigen, trivialen DOM-Manipulation ein. In solchen Fällen ist die Einbindung tatsächlich zweifelhaft. Bei jQuery kann man allerdings auch damit argumentieren, dass viele Sites die jQuery-Bibliothek direkt von ihrer Online-Quelle aus einbinden. Da viele Sites dies tun, befindet sich der Code der Bibliothek fast immer schon im Browser-Cache, wodurch das neuerliche Laden entfällt.

jQuery-Plugins

Dass jQuery so beliebt ist, liegt aber nicht allein in seiner durchdachten und strikten Art, JavaScript zu verwenden. Auch die zahlreichen, teils mächtigen Plugins tragen zum Erfolg bei. Egal ob Aufklappmenüs, Akkordeons, Diashows, Registerkarten, Wysiwyg-Editor oder HTML5-fähige Audio- und Video-Player – die Plugins sind meist so konzipiert, dass eine oder ein paar Zeilen Code zum Einbinden genügen. Das erlaubt es auch redaktionell arbeitenden Bloggern oder Online-Redakteuren, die sonst keine oder kaum programmiertechnische Kenntnisse haben, vielfältige und mächtige Effekte auf ihren Seiten einzusetzen.